In Köln-Poll öffnet der erste Leseclub an einer Förderschule für Kinder mit einer geistigen Behinderung

Von Anja Katzmarzik/“Kölner Stadt-Anzeiger“, www.ksta.de/wirhelfen

Ein Buch lesen und auf dieser Grundlage ein Theaterstück einstudieren? Was an gewöhnlichen Regelschulen All-tag ist, bedeutet für die Schüler und Lehrer der Förderschule für geistige Entwicklung Auf dem Sandberg in Köln-Poll eine ganz besondere Herausforderung. „Wir haben 200 Schüler hier im Alter von 6 bis 18 Jahren – und nur die wenigsten von ihnen können lesen“, sagt Konrektor Dieter Schmidt.

Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb wurde dort der erste Leseclub der Stiftung Ride for Reading an einer Schule dieser Art eröffnet. Schüler und Lehrer nennen ihn „Bananen-Club“ – weil die Sitzkissen dort die Form der Frucht haben. Und alle sind mächtig stolz auf das neue Prädikat. Des Leseclub der Stiftung Ride for Reading, die durch Manfred Brodeßer vertreten war, soll auch den Schülern Zugang zur und Freude an Literatur ermöglichen, die nicht lesen können. Möglich machen dies neue Medien und Technologien wie Bücher, die auf Knopfdruck Text abspielen, oder Tablet-Computer mit Vorlesefunktionen. Vor allem aber auch Vorleser wie Club-Pate Peter Werner von den Höhnern oder andere Ehrenamtler, die den Schülern dabei helfen, sich die Texte zu erschließen und zu verbildlichen – wie mit dem allerersten Theaterstück, das nun dabei herauskam.

Die Schüler entschieden sich zur Eröffnung ihres Clubs für die Umsetzung des Buches „Bärenstarke Anna“ von Luise Holthausen. Deren Protagonistin ist so kräftig, dass sie sogar einen Elefanten im Zoo retten kann, der hilflos auf dem Rücken liegt und nicht mehr hochkommt. An der Umsetzung hatten jüngere wie ältere Schüler Spaß. Mitarbeiter von Toyota halfen ihnen dabei, es bis zur Bühnenreife zu bringen. 15 Kollegen, die dafür von der Arbeit freigestellt werden, kommen seit November immer zu zweit einmal pro Woche für zwei Stunden an die Schule. Sie halfen bei den Proben und bastelten mit an den Requisiten. „Das bringt total viel Spaß“, sagte Elke Pietzner, die sonst im Marketing der hauseigenen Kreditbank arbeitet. „Und besonders toll war es zu sehen, wie sich die einzelnen Schüler in der Zeit entwickelt haben.“ Einige der Darsteller hätten sich anfangs gar nicht auf die Bühne getraut. Am Ende stand sogar ein Mitschüler mit Autismus vor dem Publikum. „Der hat sonst schon Probleme, nur durch eine Tür zu gehen, und heute steht er hier auf der Bühne“, staunte auch Konrektor Schmidt. Dass alle nun bei dem Theraterstück vor Eltern, Lehrern und Mitschülern stünden und sprächen, sei eine tolle Leistung – „und so wichtig für ihr Selbstwertgefühl“. Finanziert wurde der Club von der Aktion „wir helfen“ des Kölner Stadtanzeigers. Damit konnte die Bibliothek erweitert werden – nicht nur um neue Bücher, son-dern auch um ein mobiles Bücherregal. Es kann leicht vom Club in die Klassen hineingerollt werden, aber auch als Raumteiler dienen oder ganz am Rand verschwinden, wenn das kleine Zimmer anderen Zwecken dienen muss.